Der Museumsshop – für die Kunst und in Konkurrenz zu ihr Von Claudia Herstatt, in: Die Zeit 31/2001
Die Museen sind längst keine weltfremden Tempel mehr: Events aller Art vom Brunchbuffet bis zur Mitternachtsparty gehören zum Programm vieler Häuser. Knappe öffentliche Gelder und die damit zunehmende finanzielle Eigenverantwortung fordern Geschäftssinn –und dazu gehört natürlich auch das Shopping.
Dass manche Besucher inzwischen länger im Shop verweilen als in den Ausstellungssälen, bringt den einen oder anderen Museumsdirektor noch auf die Palme. Aber die ideologisch geprägte Front von Kunst contra Kommerz und Kitsch bröckelt, der Umsatz lockt. Rund 30 Prozent erwirtschaftet die Kunst- und Ausstellungshalle der BRD in Bonn inzwischen mit Shop, Buchladen und Cafeteria sowie einem Veranstaltungsprogramm. „Das ist Spitze", sagt Verwaltungschef Wilfried Gatzweiler, „der Durchschnitt liegt bei anderen Häusern um die acht Prozent." Der Erlös fließt komplett in den Ausstellungsetat und finanziert eine von sieben Ausstellungen im Jahr.
Der geschäftsführende Direktor im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, Helmut Sander, nennt als einer der wenigen auch konkrete Zahlen: Der verpachtete Museumsladen, über den auch der Katalogverkauf abgewickelt wird, setzt jährlich eine halbe Million Mark um und manchmal auch mehr. Glaubt man den veröffentlichten Museumsstatistiken, so lässt beispielsweise durchschnittlich jeder Besucher im Van-Gogh-Museum in Amsterdam rund 6,60 Mark im Souvenirshop, wo die Sonnenblumen auf Papier, Porzellan und Seide erblühen. Eine Million Besucher hatte das Museum im vergangenen Jahr, der Umsatz lässt sich leicht hochrechnen.
Die Idee der Museumsshops stammt aus Amerika, wo die Museen immer schon darauf angewiesen waren, ohne staatliche Hilfe klar zu kommen. „A gift from the MET is a gift to the MET" wirbt das Museum of Metropolitan Art in New York. Aus der nach Charity klingenden Einkaufsbitte ist dort inzwischen Big Business geworden.
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